Von Wasserschlössern, Tauchern und Gämsen - Ein Besuch im Achenseekraftwerk
Das Achenseekraftwerk gilt als die Wiege der TIWAG. Dort wird seit 1927 mittels Wasserkraft Strom erzeugt. Mit einer Engpassleistung von 97 MW ist das Werk bis heute eines der größten Speicherkraftwerke Tirols und erzeugt jährlich etwa 219 GWh. Damit können bis zu 60.000 Haushalte mit Strom versorgt werden oder anders ausgedrückt: halb Innsbruck.
Als wir mit den zweiten Klassen am Kraftwerk ankamen, staunten die Kinder nicht schlecht darüber, dass das Kraftwerk gar nicht am Achensee, sondern am Rande Jenbachs steht. Der Achensee, so unser örtlicher Guide, diene vielmehr als natürlicher Speichersee. Über den sogenannten Triebwasserweg gelange das Achenseewasser zum Krafthaus in Jenbach. Ein wesentliches Element des Triebwasserwegs stelle das Wasserschloss dar. Wer jetzt an ein Schloss im klassischen Sinn à la Neuschwanstein denke, liege allerdings falsch. Vielmehr handele es sich dabei um eine ausgeklügelte Baukonstruktion zum Ausgleichen von Druckschwankungen in den Rohrleitungen. Die Neugier der Kinder war damit geweckt.
Auf die Frage hin, ob Menschen, Tiere oder gar Seeschlangen schon einmal beim Einlaufbecken – dort, wo das Wasser dem See entnommen wird – eingesaugt wurden, konnte unser Guide Entwarnung geben: Taucher haben die Sogwirkung als unbedenklich eingestuft und dabei sogar Fische beobachtet, wie sie der Gravitas des Sogs ohne Anstrengung entkamen. Der Achensee kann also unbedenklich zum Schwimmen genutzt werden.
Für Erheiterung sorgte eine Gams, die wir vom Kraftwerk aus am steilen Kalkfelsen des Karwendels erspähten. Sie war fortan unser leiser Begleiter, als wir uns in den Stollen begaben – dort, wo die Rohrleitung im Berg verschwindet. Im Stollen angekommen, erklärte uns der Guide, wie das Wasser von dort aus weiter über die Verteilerrohre ins Krafthaus gelangt. Im Krafthaus wird das Wasser dann mit über 200 Stundenkilometern regelrecht auf die Turbinen “geschossen”, die ihrerseits die Generatoren antreiben. Der Strom für unsere Handys und Alltagsgegenstände entsteht dort.
Die Turbinen liefen an diesen Tagen auf Hochtouren. Die Schüler*innen konnten hautnah miterleben, was es heißt, die Kraft des Wassers zu nutzen. Die Turbinen drehten sich weiter und der Geräuschpegel nahm ab, als wir das Krafthaus verließen und unseren Heimweg antraten. Im Bus angekommen, spielten die Kinder miteinander, andere unterhielten sich – auch über das Wasserschloss, die Taucher und die Gams. Ein paar Kinder drehten sich noch einmal um, als wollten sie einen letzten Blick auf das Kraftwerk erhaschen, bevor es schließlich am Horizont verschwinden würde.
Dieser Text wurde mit CryptPad geschrieben, eine europäische Alternative zu US-amerikanischen Produkten.
Verfasser: Daniel Bendler